Read Die Sonnenstadt (Reclams Universal-Bibliothek) by Jürgen Ferner Online

die-sonnenstadt-reclams-universal-bibliothek

Tommaso Campanellas Sonnenstadt z hlt zusammen mit Thomas Morus Utopia und Francis Bacons Neu Atlantis zu den klassischen Utopien der Neuzeit Sie wird hier nach der italienischen Urfassung La Citt del Sole von 1602 bersetzt Campanella hat sie unter dem Eindruck der gescheiterten Revolte gegen die spanische Herrschaft in S ditalien, die ihm eine fast 27 j hrige Kerkerhaft einbrachte, verfasst Die darin beschriebene Republik bildet den idealisierten Gegenentwurf zur realen Welt....

Title : Die Sonnenstadt (Reclams Universal-Bibliothek)
Author :
Rating :
ISBN : 3150185106
ISBN13 : 978-3150185100
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : Reclam, Philipp, jun GmbH, Verlag 1 Juni 2008
Number of Pages : 466 Pages
File Size : 663 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Die Sonnenstadt (Reclams Universal-Bibliothek) Reviews

  • Amazon Kunde
    2018-11-24 00:34

    Ein geniales Buch, welches leicht zu lesen ist, trotz seines Alters. Besonders in der aktuellen Zeiten macht es Spaß zu sehen, wie die Menschheit sich niemals verändert hat.

  • rioruq
    2018-12-08 08:28

    Sehr merkwürdig: da gibt sich Herausgeber und Übersetzer Jürgen Ferner so viel Mühe und schlampt doch an einer wichtigen Stelle: er und der Reclam Verlag behaupten, diese Ausgabe von 2008 sei die erste deutsche Übersetzung der Urfassung von Tommaso Campanellas "Città del sole" von 1602. Falsch. Denn diese wurde 1988 von Christiane Wyrwa mit einem informativen Nachwort im scaneg Verlag München vorgelegt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt:Entweder es wurde bewußt negiert (obwohl die Ausgabe gut dokumentiert ist) oder aber übersehen. Beides ist aus wissenschaftlichen und auch sonstigen Gründen schlecht bzw. lächerlich und rechtfertigt in diesem einen Punkt die Ein-Stern-Bewertung des Buches.Ach ja: Dass diese Urfassung 1988 sogar bei der damals noch existierenden CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek unbekannt war zeigt der CIP-Text, der auch auf damaligem Hinweis nicht korrigiert wurde: es heißt dort nämlich, dass von "civitas solis" übersetzt wurde!Also: erst mal besser recherieren lieber Herausgeber und Verlag, dann erst publizieren!

  • Rolf Dobelli
    2018-11-21 06:38

    Die Sonnenstadt von Tommaso Campanella ist eines der berühmtesten Beispiele utopischer Literatur. Wortwörtlich übersetzt bedeutet Utopie" so viel wie Keinort" (griechisch ou-" = nicht-; topos" = Ort). Aus dem Wort spricht Sehnsucht und Enttäuschung zugleich: Eine Utopie ist stets nicht nur eine unerfüllbare Wunschvorstellung, sondern auch eine Kritik an den bestehenden Verhältnissen. Wer daraus folgert, der Autor einer Utopie müsse sowohl naiver Schwärmer als auch nüchterner Beobachter sein, findet in Campanella den wohl vollblütigsten Vertreter des Genres. Und einen Utopisten, der eigenhändig versucht hat, seinen Idealstaat zu verwirklichen: eine auf das Vernunftprinzip gegründete Theokratie mit Zuchtwahl und Gütergemeinschaft. Der Versuch brachte ihm Kerker und Folter ein. Der Dominikanermönch, Philosoph und Sozialreformer Campanella überlebte seine Qualen ungebrochen und verarbeitete sie in einer Metaphysik, die Glaube und Vernunft versöhnen sollte und die sich in den höchst vernünftigen, weil gottgegebenen Einrichtungen der Sonnenstadt widerspiegelt.

  • Thorwald Franke
    2018-12-16 02:43

    Der Text "Die Sonnenstadt", oft fälschlich als "Sonnenstaat" übersetzt, ist das politische Programm eines praktizierenden Sozialrevolutionärs. Es ist keine satirische Schrift wie die "Utopia" des Thomas Morus, der seiner Zeit ironisch den Spiegel vorhalten wollte und nicht ernsthaft an die Verwirklichung seiner Ideen dachte. Und es ist auch keine Wissenschaftsvision wie das "Neu-Atlantis" von Francis Bacon, wo der Schwerpunkt auf noch zu machenden Erfindungen liegt. Campanella zählt an Techniken und Methoden nur auf, was die Renaissance bereits zu bieten hatte, bis hin zur Idee der Flugmaschinen.Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen die sozialen Verhältnisse, die in herzlich naiver Weise einen lupenreinen Sozialismus propagieren. Es ist für den modernen Leser ganz und gar erstaunlich, wie exemplarisch die einzelnen Aspekte des Sozialismus in dieser Schrift Puntk für Punkt abgehandelt werden:Niemand besitzt etwas für sich, alle bekommen das Ihre von den Beamten zugeteilt. Die Menschen seien durch Besitzlosigkeit zum Gemeinsinn befreit. Die Familie ist aufgelöst. Geschlechtsverkehr findet ausschließlich zur Triebbefriedigung und zur Fortpflanzung statt, wobei die Partner von Beamten ausgewählt werden. Die Kinder werden gemeinschaftlich erzogen. Liebe spielt sich nur auf platonischer Ebene ab, Eifersucht gäbe es nicht. Es gibt keine schweren Verbrechen, da die Menschen zu höchstem Edelsinn befreit seien. Eine Erbsünde, d.h. eine grundsätzliche Verstricktheit des Menschen in das Böse, gäbe es nicht, sondern Fehler und Verbrechen seien immer eine Folge falscher Erziehung, falscher gesellschaftlicher Verhältnisse usw. und damit grundsätzlich beseitigbar. Die Herrscher gäben ihr Amt freiwillig ab, wenn sich jemand fände, der weiser ist als sie. Die Menschen strebten alle voller Eifer nach Bildung und Pflichterfüllung für die Gemeinschaft. Eigeninitiative ist nicht vorgesehen, individuelle Begabungen sind darauf angewiesen, von Beamten erkannt und gefördert zu werden.Es ist kein Zufall, dass Campanella Aristoteles grundsätzlich ablehnt und schmäht. Ein realistischer Einwand des Aristoteles, der stellvertretend die ganze Kritik an solchen sozialistischen Blütenträumen repräsentiert, dass nämlich der Eine immer darauf warte, dass ein anderer die Arbeit für ihn tue, wird kurz abgetan. Der Realist Aristoteles wird von Campanella als Pedant verschrieen.Damit wird auch deutlich, dass Campanellas Naivität nicht verzeihlich ist. Manche meinen ihn entschuldigen zu müssen, weil er ein so früher Denker sei, dass er noch nicht wissen konnte, wie der Sozialismus an der Realität scheitern wird. Doch dies ist unzutreffend. Man hat dies schon immer gewusst und wissen können. Da ist es auch keine Entschuldigung, dass die spanische oder kirchliche Herrschaft zu seiner Zeit nach einer Revolution schrie. Eine Revolution muss keine sozialistische Revolution sein, wenn sie z.B. humanistisch orientiert ist und Athen und Rom vor Augen hat, was der Zeit Campanellas nicht ferngelegen hätte.Was aber hatte Campanella dann vor Augen, wenn nicht Athen oder Rom? Woher kommen überhaupt seine sozialistischen Ideen? Es wird deutlich in seinen Worten von den vielen Gliedern des einen Gemeinwesens, einem Wort des Apostels Paulus, das das ideale Zusammenwirken aller Gläubigen in der heiligen Gemeinschaft der Kirche beschreibt. Campanellas Sonnenstadt folgt ganz offensichtlich dem christlich-religiösen Ideal der idealen Gemeinschaft der Gläubigen unter einer perfekt funktionierenden Hierarchie! Wahrhaft aufklärerisches Denken sieht anders aus. Selten hat sich die These, dass der Sozialismus eine säkularisierte Wendung des christlich-religiösen Glaubens ist, so bestätigt gefunden wie hier. Hier bei Campanella sind wir ganz dicht dran an der originalen Brutstätte der sozialistischen Ideen.Einige bemerkenswerte Einzelaspekte: Völlig befremdlich ist die Ausgestaltung der Strafen in der Sonnenstadt; sie sehen alles andere als zivilisiert aus, sondern erinnern an archaische Stammestraditionen: Es gibt die kollektive Steinigung, Verbrennen, Todesstrafe ohne vorherige Diskussion, für die Wahrheitsfindung nutzlose Mindestanzahlen von Zeugen, und unbeweisbare Anklagen fallen auf den Ankläger zurück. Im Übrigen gilt das Prinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn. - Bei Campanella sieht man sehr eindrücklich, wie Astrologie und Astronomie noch eine gemeinsame Wissenschaft bilden. Neue Erkenntnisse über Himmelsmechanik und Zeichendeutung gehen hier noch Hand in Hand. Gegen Ende schweift der Text sogar vom Thema der Sonnenstadt ab und verliert sich in astrologischen Prophezeiungen über die Zukunft Europas.Hat die Sonnenstadt etwas mit Platons Atlantis zu tun? Nein.Der Stadtgrundriss der Sonnenstadt mit ihren sieben Mauerringen auf einem Hügel, die den sieben Planeten zugeordnet sind, gleicht verblüffend der Stadt Ekbatana, wie sie von Herodot beschrieben wird, nicht jedoch Platons Atlantis, das drei Ringe von Wasser und Land um einen Hügel herum aufweist. Der Tempel in der Mitte hat nichts mit Platons Atlantis zu tun, ebenso wenig der Kult der Sonnenstadt. Wasserringe tauchen auch keine auf, lediglich Burggräben, was etwas völlig anderes ist. Auch sonst weist nichts auf Atlantis: Keine rechteckige Ebene, keine Lage am Rande der Ebene, kein schwarz-weiß-rotes Gestein, keine zwei Quellen, keine Gründungslegende mit fünf Zwillingspaaren, und auch kein Sittenverfall gefolgt von einem Angriff auf den Rest der Welt. Campanella macht zwar zahlreiche Anleihen bei Platon, jedoch nur bei dessen Staatsutopie Politeia, nicht aber bei dessen Atlantis-Dialogen. Zumal Atlantis bei Platon ja auch nicht positiv sondern negativ gezeichnet wird.Eindeutig erkennbar sind Anleihen bei der Utopie des Thomas Morus, vor allem was die Rahmenhandlung betrifft. Dabei ist die Utopie des Thomas Morus selbst wiederum eine Karikatur der britischen Insel, nicht aber der Insel Atlantis. Es wäre also schlicht falsch zu behaupten, Campanella hätte sich zu seiner Sonnenstadt von Platons Atlantis inspirieren lassen. Ein solcher Zusammenhang ist nirgends erkennbar.Für die Aufarbeitung und Präsentation des Textes mit Anmerkungen und Nachwort gibt es vier von fünf Punkten; ein Punkt Abzug für ein zu großes Verständnis für die gefährlichen Ideen Campanellas.PS: Die Rezension macht zu wenig deutlich, dass der sozialistische Charakter auch durch Übernahmen aus Platons Politeia zustande kommt. Damit hat Campanella die liberale Wende Platons in dessen späteren Werk Nomoi ignoriert, es liegt eine typische Fehlinterpretation Platons vor.