Read Was für Lebewesen sind wir? by Noam Chomsky Online

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Noam Chomsky gilt als der Begr nder der modernen Linguistik und als einer der Gr nderv ter der Kognitionswissenschaften Zugleich ist er einer der meistgelesenen politischen Denker der Welt Dieses Buch ist die philosophische Summe seines Lebens Erstmals f hrt er alle seine gro en Themen zusammen und begibt sich auf die Suche nach dem Wesen des Menschen.Chomsky nimmt seinen Ausgang bei der Sprache Diese ist f r ihn ein angeborener Mechanismus, der ein keineswegs zwingendes Muster aufweist und unser Denken bestimmt Wir alle denken gem diesem Muster und daher k nnen wir auch nur das wissen, was die menschliche Sprache zu denken erlaubt Einige Geheimisse der Natur k nnten uns deshalb f r immer verborgen bleiben Zugleich er ffnet die Sprache aber eine kreative Freiheit uns ist ein Freiheitsinstinkt gegeben, der uns gegen Herrschaft aufbegehren und eine freie Entfaltung suchen l sst In der libert ren Tradition von Wilhelm von Humboldt, John Stuart Mill und Rudolf Rocker zeichnet uns Chomsky als anarchische Lebewesen, die nach einer Assoziation freier Menschen streben....

Title : Was für Lebewesen sind wir?
Author :
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ISBN : 3518586947
ISBN13 : 978-3518586945
Format Type : Hardcover
Language : Deutsch
Publisher : Suhrkamp Verlag Auflage 2 11 September 2016
Number of Pages : 573 Pages
File Size : 895 KB
Status : Available For Download
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Was für Lebewesen sind wir? Reviews

  • Blaumaintal
    2018-12-09 02:12

    Das Buch besteht aus vier Kapiteln: 1. Was ist Sprache?, 2. Was können wir verstehen?, 3. Was ist das Gemeinwohl? und 4. Die Geheimnisse der Natur – Wie tief verborgen? Die einzelnen Kapitel wirken auf mich wie separate Aufsätzchen, die mehr oder weniger unverbunden hintereinandergeklatscht sind. Ein Buch für Chomsky Einsteiger ist dies nicht, zu viel wird vorausgesetzt und zu weniges, was gar nicht so leicht einzusehen ist, was dem Autor aber ganz selbstverständlich ist, wird dem Leser noch mal genauer und vor allem verständlich erklärt. Die Aufsätze sind auf anspruchsvollem Niveau und eher etwas für kleinere oder größere Chomsky Experten. Für das Gebotene ist der Titel des Buches meiner Meinung nach zu aufgeblasen und weckt zu große Erwartungen, die das Buch dann eben viel zu wenig erfüllen kann. Zwar gibt es zum Buch ein ausführliches Einführungskapitel von Akeel Bilgrami, aber in diesem Fall habe ich denn doch den starken Eindruck, dass Bilgrami, der übrigens seinen Beitrag in ziemlich überschwänglicher Chomsky-Bewunderung geschrieben hat, hier das Ausputzen soll, was der Autor selbst nicht leisten wollte, weil er sich für die Buchform mit seinen Aufsätzchen einfach zu wenig Mühe gegeben hat: Nämlich sich verständlich auszudrücken und in einen Zusammenhang zu bringen, was er eigentlich meint.Fazit: Für mich war das Buch eine ziemliche Enttäuschung, aber objektiv betrachtet mag es für den Chomsky-Fan dennoch viele neue und durchaus auch tiefschürfende Erkenntnisse seines Denkens vermitteln. Auf mich hat es aber jedenfalls keinen bleibenden Eindruck gemacht.

  • Gunnar Kaiser
    2018-11-24 08:28

    Noam Chomsky, heute 87 Jahre alt, ist der Großmeister der Sprachwissenschaft, Begründer der modernen Linguistik und einer der Gründerväter der Kognitionswissenschaften, dazu Kommentator des Weltgeschehens und politischer Philosoph, der sich kritisch zum Beispiel mit Medienpropaganda oder den Herrschaftsverhältnissen auf der Welt auseinandersetzt, wie z. B. in „Profit over people“ oder in „Die Herren der Welt"Sein neuestes Buch kann als „die philosophische Summe seines Lebens“ bezeichnet werden, wie es der Klappentext tut – weil Chomsky hier in 4 verschiedenen Vorträgen seine Sprachtheorie in Verbindung setzt mit Fragen der Biologie, der Erkenntnistheorie sowie der politischen Philosophie und sich so insgesamt bemüht, die Frage nach dem Wesen des Menschen zu beantworten - oder zumindest darum, die Frage selber genauer zu stellen und zu verstehen, was wir über den Menschen wissen können und was nicht.Sprache beschränkt unsNatürlich ist Chomskys Ausgangspunkt die Sprache. Er bezeichnet die Sprache als eine genuin menschliche biologische Fähigkeit die plötzlich entstanden ist, und zwar eher spät in der Entwicklungsgeschcihte der Menschheit, nämlich etwa vor fünfundsiebzig tausend Jahren. Dabei ist die Sprache das, was das Denken des Menschen einschränkt. Der Mensch kann nur denken, was ihm die menschliche Sprache zu denken erlaubt. Die Grenzen der Sprache sind die Grenzen meiner Welt, wie Wittgenstein sagt: Wofür wir keinen Begriff,, das können wir nicht begreifen. Die Sprache", sagt Wilhelm von Humboldt, "ist das bildende Organ des Gedanken.“ Sprechen und Denken sind eins. Wofür die Sprache uns kein internes Konzept zur Verfügung stellt, das entzieht sich unserer Erkenntnismöglichkeit.Sprache macht uns freiAndererseits betont Chomsky die große kreative Freiheit der Sprache: mit einer begrenzten Anzahl an Mitteln, nämlich Lauten oder Buchstaben, kann jeder Mensch eine unbegrenzte Anzahl von Ausdrücken formulieren. Die Kombinationsmöglichkeiten und die Innovationskraft der Sprache sind unendlich. Und es ist auch die Sprache, die uns aus der kleinen Welt unserer Erfahrung heraushebt. Obwohl das Milieu, in dem wir aufwachsen, uns nur mit einer sehr begrenzten Anzahl von Erfahrungen versorgt, kann unsere Sprache über dieses begrenzte Material hinausgehen - weil sie schöpferisch ist. Sie hat ihre Quelle nicht in der empirischen Welt, sondern in unser angeborenen Fähigkeit, die mächtiger ist als die Impulse der Außenwelt. Die innere Sprachfähigkeit, die sich in einer universalen Grammatik niederschlägt, benutzt die Stimuli der Außenwelt, spielt mit ihr. Insofern ist Sprache ein Instrument der Entfaltung der menschlichen Möglichkeiten.Wir können nur verstehen, was wir verstehen könnenUnd wir können nur verstehen, was innerhalb unserer angeborenen geistigen Fähigkeiten liegt. Die sind auch nicht beliebig erweiterbar. Dem Menschen sind sozusagen die Schranken seines eigenen Erkennens von Geburt an mitgegeben. Daher ist die menschliche Erkenntnis auch recht strikt begrenzt. Aufgrund der endlichen Kompetenzen der Sprache müssen uns notwendigerweise die Geheimnisse der Natur verborgen bleiben. Was nicht bedeutet, dass das, was wir nicht erkennen können, nicht existiert - es bleibt uns nur rätselhaft.Denn da Sprache gleich Denken ist, eher als eine Zugabe zum Denken, so wie das Kleid der Gedanken, deswegen sind eben die Grenzen der Sprache auch die Grenzen der Wissenschaft. Es gibt für Chomsky in dieser Hinsicht auch keine Entwicklungsmöglichkeit: Es gibt keine Evolution in unser Sprachfertigkeit. Chomsky widerspricht hier einem überoptimistschen Glauben der Aufklärung - dass der Mensch eines Tages alles, die Welt und was sie im Innersten zusammenhält, wird erklären können - und somit auch die Natur beherrschen wird.Kein Gott, kein HerrscherChomsky fragt sich, was eine wahrhaft demokratische Gesellschaft ausmacht. Unsere jetzige, vor allem die Gesellschaft der Vereinigten Staaten, sieht er als Plutokratie: Die Mehrheit der Bevölkerung ist de facto ihres Mitbestimmungsrechts beraubt, obwohl sich das System selber demokratisch nennt. Die 70 Prozent der Bevölkerung am unteren Ende der Skala von Eigentum und einkommen haben keinen Einfluss auf die Politik. Je höher wir auf der Leiter steigen, desto mehr wächst almmählich der Einfluss, und ganz an der Spitze finden wir die, die auf Wegen, die kein Geheimnis sind, praktisch alleine die Politik bestimmen.Das Ergebnis ist also keine echte Demokratie, sondern eine Plutokratie.Um nun herauszufinden, wie eine echte Demokratie aussehen würde, verlangt Chomsky, in alter anarchistischer Tradition, dass alle Institutionen der Gesellschaft, die Herrschaft ausüben, geprüft werden müssen. Jedes Machtinstrument muss sich selbst rechtfertigen können: es muss demonstrieren, dass es legitim ist. Und wenn es dieser Herausforderung nicht standhält, muss es abgeschafft werden.Chomsky nennt dabei zwei Arten der Demokratie: die eine, die mit James Madison assoziiert wird, misstraut dem einfachen Volk und befürwortet eine repräsentative Regierung, ein Parlament, als Schutzschild vor den populistischen Forderungen des gemeinen Mannes auf der Straße. Wobei die Repräsentanten dann vor allem die Aufgabe haben, das Privateigentum der Elite zu schützen - und somit erst den Fortbestand der Elite ermöglichen.Die andere Art der Demokratie ist mit Adam Smith, John Stuart Mill und den Anarchisten assoziiert: die Gesellschaft soll von ideologischen, theologischen oder ökonomischen Wächtern befreit werden, die Entscheidungsmöglichkeiten sollen vermehrt werden, jeder soll an den Reichen der Wissenschaft, der Politik und der Wirtschaft ungehindert teilnehmen können. Es kann, in dieser Lesart der Demokratie, nicht zu viel Demokratie geben. Dieses zweite, libertäre Verständnis von Demokratie ist es, was Chomsky bevorzugt.Für Chomsky ist der Anarchismus Erbe der klassischen liberalen Ideen die aus der Aufklärung hervorgingen, z. B. John Locke oder Adam Smith oder Wilhelm von Humboldt. Chomsky bezieht sich bei seinen Überlegungen vor allem auf Rudolf Rocker, einem deutschen Anarchosyndikalisten des frühen 20. Jahrhunderts. Chomsky befürwortet damit einen libertärer Sozialismus.Chomskys linker Anarchismus ist eine ErlösungphilosophieNicht nur soll die Gesellschaft von der Bevormundung aller kirchlichen und staatlichen Institutionen befreit werden — der mensch soll vom Fluch der wirtschaftlichen Ausbeutung erlöst werden, während der Libertarismus oder Anarchokapitalismus nach Chomsky die Unterwerfung der Werktätigen unter die Herren der Wirtschaft und die Unterwerfung aller Menschen unter die restriktive Disziplin und die destruktiven Merkmale der Märkte nicht nur akzeptiere, sondern sogar propagiere.Die Gesellschaft soll eine Vereinigung freier Menschengruppen auf der Basis kooperativer Arbeit und einer planmäßigen Verwaltung der Dinge im Interesse der Gemeinschaft sein. Daher muss der linke Anarchist auch die Mittel des Staates verwenden, um seine Utopie in Wirklichkeit umsetzen zu können: In der real existierenden Welt von heute unterstützen Anarchisten, so Chomsky, oft staatliche Formen der Macht, um die Menschen, die Gesellschaft und die Erde selbst vor den Verheerungen durch das konzentrierte private Kapital zu schützen.Also zum Beispiel um Regelungen zur Sicherheit, zur Gesundheit oder zum Umweltschutz durchzuführen. Dazu stellen Anarchisten Forderungen an die Staatsmacht.Für Chomsky ist das kein Widerspruch. Sein langfristiges Ziel ist es, die heutigen Mechanismen der Macht, die staatlichen Institutionen, abzuschaffen und bessere Alternativen zu schaffen. Also vor allem genossenschaftlich organisierte Betriebe, ein Rätesystem, Gemeinschaftliches Eigentum, Kommunen.Da aber der Mensch in der realen Welt lebt und sich in ihr behaupten muss, müssen reale Mittel verwendet werden. Chomsky plädiert für den Einsatz sämtlicher verfügbarer Mittel zur Erreichung seiner idealen Gesellschaft. Also den Einsatz der Staatsgewalt.Er vergleicht die heutigen Verhältnisse mit einem Käfig im Dschungel: Die wilden Tiere im Dschungel sind die bösen Kapitalisten, die ausbeuterischen Unternehmer, die Gitter des Käfigs sind die staatlichen Institutionen, die den Menschen darin, also den Arbeiter, vor den wilden Tieren schützen. Zwar sperren sie ihn ein, berauben ihn seiner Freiheit - aber nur zu seinem besten ,weil er ansonsten vom grausamen Raubtierkapitalismus gefressen würde. Chomskys politische Bestrebungen gehen nicht dahin, den Käfig zu zerstören und den Menschen zu befreien, sondern die Wände des Käfigs zurückzudrängen, also den Käfiginnenraum insgesamt zu erweitern. Und dafür braucht er eben den Staat und sein Gewaltmonopol und seine Legitimation.Chomsky nennt diese kapitalistischen Institutionen sogar „raubtierartig“. Und direkt danach gibt er zu, dass sie staatlich unterstützt sind. Dass sie aber ohne diese staatliche Unterstützung, also Subventionen, Steuererleichterungen, Markteintrittshürden, Lobbyismus und Korruption, gar nicht so wild und gefährlich wären, zieht Chomsky nicht in Betracht.Da sind wir schon bei der Kritik.Noam Chomsky ist gar kein richtiger Anarchist. Aus zwei Gründen:Zum einen befürwortet er den Einsatz staatlicher Macht, um sein Gesellschaftsideal zu verwirklichen. Er hat eine bestimmtes, von Humboldt beeinflusstes Idealbild davon, wie der Mensch sei, was eine gerechte Gesellschaft sei und was diese für den Menschen zu tun habe. Daher muss er den Staat auf dem Weg zu seiner staatenlosen Gesellschaft legitimieren - was auch der Grund ist, warum er vom Mainstream wegen seines „Anarchismus“ nicht angefeindet wird.Für ihn ist das Verhältnis zwischen freier demokratischer Gesellschaft zum Staat ähnlich wie bei Marx und Engels: die zu erreichende Utopie wird staatenlos sein, doch der Weg dorthin wird über eine Diktatur des Proletariats führen.Zum anderen:Um den von Chomsky angestrebten anarchosyndikalistischen Zustand zu gewährleisten, also auf Kontinuität zu stellen, braucht es Zwangsinstrumente, die verhindern, dass Menschen sich anders zusammenschließen, als es von den linken Anarchisten gedacht ist. Wenn es jemanden gibt, der so geschickt und klug ist, sich in seiner Freizeit eine Maschine zu bauen, die eine bestimme Produktion stark vereinfacht und nun Gehilfen braucht, die ihm bei der Bedienung der Maschine zur Hand gehen, wenn er die gerne einstellen möchte und die das auch möchten ...Es liegt auch einfach im Wesen des Menschen, individuell auf neue Ideen zu kommen, zu experimentieren, etwas zu riskieren. Das zu verhindern. wird nur bei einer totalen Umerziehung des Menschen möglich sein.Wenn dieser Mensch nun eine Maschine und ein paar Mitarbeiter hat, die er bezahlt - schon hat sich aus dem genossenschaftlichen Anarchosyndikalismus ein Privatbesitz an Produktionsmitteln ergeben.Da das nicht sein darf, weil das wieder in Ausbeutung usw. münden würde, muss es eine Gewalt geben, die dem Menschen den Privatbesitz verbietet und die Maschine als öffentliches Eigentum deklariert, also das Kapital vergesellschaftet. Im Gegensatz zum Privateigentum, das der Mensch auch selbst schützen kann, benötigt „öffentliches Eigentum“ nämlich eine immer wieder enteignende und verteilende Staatsmacht.Chomsky ist also alles andere als ein Anarchist und er ist auch kein Libertärer. Das einzige, was von seinem libertären Sozialismus stehen bleibt, ist der Sozialismus.