Read Vor Gott ohne Gott: Freiheit, Verantwortung und Widerstand im Kontext der Religionskritik bei Dietrich Bonhoeffer und Jean-Paul Sartre. Ein Beitrag zur politischen Ethik (Forum Religionsphilosophie) by Klaus Harms Online

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Den gewiss gro en Kontrast zwischen dem Theologen Dietrich Bonhoeffer 1906 1945 und dem Philosophen Jean Paul Sartre 1905 1980 kann man nicht nur auf den Gegensatz zwischen christlichem Glauben und Atheismus festlegen Beide Denker bten, wenn auch mit verschiedenen Argumenten, Kritik an einer eher idealistischen, b rgerlichen Religion ohne Welt Doch was dar ber hinaus hier herausgearbeitet wird, sind Analogien in ihrer existentiellen Interpretation von Freiheit, Aufrichtigkeit und Verantwortung, die sich im politischen Widerstand zu bew hren hatten Es wird aufgezeigt, wie Bonhoeffer diese Ethik in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bis zu seiner Hinrichtung gelebt und Sartre sie w hrend dieser Zeit in der r sistance und nach dem Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen Krieg, Unterdr ckung und Ausbeutung auf neue Weise demonstriert hat Das Verm chtnis der beiden gro en Denker er ffnet Perspektiven f r die politische Ethik in Gegenwart und Zukunft....

Title : Vor Gott ohne Gott: Freiheit, Verantwortung und Widerstand im Kontext der Religionskritik bei Dietrich Bonhoeffer und Jean-Paul Sartre. Ein Beitrag zur politischen Ethik (Forum Religionsphilosophie)
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ISBN : 3643100353
ISBN13 : 978-3643100351
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : LIT Auflage 1., 9 April 2009
Number of Pages : 368 Seiten
File Size : 782 KB
Status : Available For Download
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Vor Gott ohne Gott: Freiheit, Verantwortung und Widerstand im Kontext der Religionskritik bei Dietrich Bonhoeffer und Jean-Paul Sartre. Ein Beitrag zur politischen Ethik (Forum Religionsphilosophie) Reviews

  • Jens M Zimmermann
    2019-08-06 20:56

    Wie der Autor selbst in seiner Einleitung schreibt, handelt es sich bei diesem Werk um den "ungewöhnlichen Vergleich" der atheistischen Existentialphilosophie Jean-Paul Sartre und der Theologie des lutherischen Theologen und Pfarrers Dietrich Bonhoeffer. Der gemeinsame Nenner beider Denker ist die Frage nach dem wahren Menschsein, und deren Beantwortung vor dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges, und, vor allem, im Hinblick auf "die Katastrophe des 20. Jahrhunderts," d.h. der totalitären Regime und der Judenverfolgung. Mit Hilfe von neuerem Forschungsmaterial aktualisiert Klaus Harms Sartres Lebenswerk,und stellt seine zeitgeschichtliche Verbundenheit im Vergleich mit Bonhoeffer dar. Sartre, wie auch Bonhoeffer, denken bewusst innerhalb einer Zeit, die vom Ende der Metaphysik und dem Zusammenbruch traditioneller Wertvorstellungen geprägt ist. Es ist eine Zeit, die eine Ethik nach Auschwitz verlangt, eine Situation die Sartre und Heidegger im ganzen aus dem Rückblick bekannt, ein Rückblick der Bonhoeffer, trotz seiner genaueren Kenntnisse der Situation, durch seinen frühzeitigen Tod verwehrt wurde.Laut Harms gehen sowohl Bonhoeffer wie auch Sartre von einer "Abwesenheit Gottes" aus, die bei Bonhoeffer jedoch ein Aspekt des Glaubens ist, während sie bei Sartre als letzte Realität aufgefaßt wird. Harms zeigt, daß beide Personen auf ihre jeweils eigene Art, von der Existentialphilosophie beeinflusst, Wahrheit und wahres Sein nur im Vollzug anerkannten. Für beide ist Wahrheit also ein Ereignis, und Selbsterkenntnis ist nur durch Handeln zu erlangen. Der Unterschied zwischen den beiden Männern besteht darin, daß Bonhoeffer diese Seinsweise und menschliche Freiheit innherhalb eines festen Gottesglaubens etabliert, während bei Sartre Freiheit immer noch eine Art Selbstsetzung bleibt. Bonhoeffer, so Harms denkt zwar nicht existentialistisch aber doch existentiell (S. 320). Während also die Freiheit ein zentrales, verbindendes Thema bei Bonhoeffer und Sartre ist, wird bei Bonhoeffer die Freiheit als Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen, bei Sartre jedoch allein vor dem eigenen Ich und den Mitmenschen definiert. Harms beschliesst seinen Vergleich von Bonhoeffer und Sartre mit vier Thesen über den Gegenwartsbezug der Positionen von Bonhoeffer und Sartre. Die erste These ist kritischer Art. In der heutigen globalen und durchaus religiösen Welt, wirkt die Annahme des Religionsrückgangs bei Sartre und Bonhoeffer befremdend. Hier ist aber wohl eher Sartre betroffen, da Bonhoeffers These einer mündigen Welt nicht unbedingt den Rückgang jeder Religion sondern nur einer bestimmten Art von Christentum betrifft. Die zweite These fällt positiver aus. Der Appell beider Denker an freie Verantwortung im Dienste des Anderen bleibt weiterhin aktuell, wie auch deren Verurteilung des Antisemitismus. Drittens weisen beide Denker richtiger Weise auf die Verantwortung jeder Generation für die nachfolgenden Generationen hin. Zuletzt haben sich beide Persönlichkeiten für das Recht auf den politischen Widerstand eingesetzt, auch ein Thema das weiterhin aktuell bleibt.Unterm Strich ist der Vergleich gelungen, wenn auch vielleicht die Unterschiede zwischen beiden Positionen manchmal etwas zu kurz kommen. Diese Unterschiede sind, wie Bonhoeffers Kritik Heideggers in Akt und Sein zeig, durchaus philosophischer Natur, aber eben bei Bonhoeffer letztlich immer theologisch, und das heißt bei Ihm auch immer christologisch, begründet. Aber trotzdem muss man sagen, dass Harms ein faires und einsichtsvolles Porträt beider Denker zeichnet, und ihre Bedeutung für unsere Zeit klar herausstellt. Für diesen Leser hat sich der Kauf jedenfalls gelohnt.